[…] Affetto hatte ein Programm zusammengestellt, in dem das Ensemble geistliche Kompositionen von anonymen Meistern des 14. Jahrhunderts bis hin zeitgenössischen Komponisten interpretierten, und zwar in der Reihenfolge ihrer Entstehungszeit. Bei ihren Deutungen der historischen Literatur haben sie Spaß daran und halten es für legitim geistliche, persönliche und künstlerische Jetztzeit-Identitäten in ihre Interpretationen einzubringen. Dazu gehört auch ihre brillante Gesangs- und Ensembletechnik. In Ihren Interpretationen erlebt man eine große Vielseitigkeit. Die Sänger beherrschen verschiedene Techniken für verschiedene Fächer, eine Opernausbildung haben sie alle. Ob sie frühe Mehrstimmigkeit singen, Schütz, Bach, Arvo Pärt oder das Spiritual "Nobody knows", das man als Zugabe hörte: Was sie aufführen, ist perfekt. Das liegt einmal an der sauberen Artikulation und Phrasierung jedes Einzelnen der Solisten, für die das lange Echo im St. Blasier Dom keine Irritation bedeutete. Diese Qualität wurde besonders hörbar etwa in der komplizierten vierstimmigen Motette "Veni vere" von Petrus Wilhelmi de Crudenz (15. st.), in der jede Stimme mit einem je eigenen Text unterlegt is. Die andere große Qualität von Affetto ist, wie einfühlsam diese Musiker aufeinander hören und aus vier guten Gesangstimmen ein Ensemble formen kann, das klingt wie aus einem Guss. Dies hat noch einen besonderen Stellenwert, wenn man bedenkt, dass es bei Affetto keinen künstlerischen Liter gibt, dessen Deutungen maßgeblich sind, sondern dass alle Musiker gemeinsam Ihre künstlerischen Ideen entwickeln, ist ihre Leistung merkwürdig. Zwischen den Vokalstücken spielte Martin Jakubíček immer wieder kurze, meditative Improvisationen von der Domorgel herab. Das hatte dramaturgisch seinen Reiz und machte auch Sinn. Durch die perfekte Verschmelzung der Singstimmen und der Orgelmusik zu einem Ganzen entsteht ein starker religiöser Ausdruck, etwas Stilles und Schönes. […]
Badische Zeitung, 10. 8. 2004
[…] Mit stehenden Ovationen nahm das Publikum nach einem umfangreichen Vokalkonzert und drei Zugaben nur ungern Abschied von den Sängern: Das vierköpfige Vokalensemble "Affetto" aus Brünn (Tschechien) hatte mit Begleitung durch Martin Jakubiček an der elektronischen Orgel die zahlreichen Gäste im Festsaal am Sonntag beim 138. Schlosskonzert Fockenfeld mit Kompositionen vom Spätmittelalter bis zur Moderne in Latein, Englisch und Tschechisch fasziniert und begeistert. Die vier stimmstarken Interpreten, Kontratenor Jan Mikušek, die Tenöre Marek Olbrzymek und Vladimír Richter, sowie Aleš Procházka mit seinem unglaublich tiefreichenden Bass überzeugten gleich von Beginn an. Jeder Satz von Kodex Spezial wurde seinem Inhalt gemäß kraftvoll oder sanft-lyrisch interpretiert. Mikušek gefiel in seiner hohen Lage außerordentlich, weil er über einen sehr natürlichen schönen männlichen Ton verfügt. Das künstlerisch und interpretatorisch schwergewichtigste Werk war "De profundis" aus der Feder des Esten Arvo Pärt. Hier wurden wirkungsvoll abwechselnd die hellen und dunklen Lagen in starken Kontrasten gegenüber gesetzt, entwickelte sich maßvoll eine große Spannung vom leisen Pianissimo bis zum umwerfenden Fortissimo. Zum Finale erfreute eine Mischung aus den ruhigen Spirituals, bevor als Zugaben "Amazing Grace" und folkloristisches das endgültige Ende markierten. […]
Numer 266, 11/2003
[…] Zum Höhepunkt des Konzertes wurde eindeutig die Aufführung des meditativen Stücks "De Profundis" des estländischen Komponisten Arvo Pärt, dessen Vokalwerk auf dem hohen künstlerischen Niveau das englische Hilliard Ensemble interpretiert. Gerade mit Pärt bewies das Affetto, dass es mit diesem ausländischen Ensemble verglichen werden kann. […]
MF Dnes 9. 9. 2003
[…] Zum Schwerpunkt des Festivalprogramms von Affetto war vor allem die Renaissance- und Barockmusik. Mit der Intonationsreinheit vereinten sich die einzelnen Stimmen in eine einzigartige Farbe, der bei uns ein wenig gehörter Kontratenor thronte. Zum einmaligen Erlebnis wurde besonders die kleine Kantate Lupi (Wölfe) von dem Brünner Komponisten M. Štědroň, die im Herbst 2001 komponiert wurde. Als Textvorlage dienten ihm Ausschnitte aus der Predigt von Milíč aus Kroměříž, dem Vorgänger von Jan Hus. Das Thema wurde humorvoll bearbeitet und dank der hervorragenden Aufführung von Affetto, die hervorzuheben ist, hatte sie eine sehr positive Auswirkung auf das Publikum. […]
Opus musicum 5/2002
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